Hilfe, unser Hund jagt unsere Katze!

Wie Hund und Katze heißt ein berühmtes Sprichwort. In einigen Hundehalter-Haushalten ist es leider mehr als ein Sprichwort - nämlich grausame Realität. Hund und Katze kommen nicht mit einander aus, denn sie missverstehen einander einerseits und verhalten sich andererseits oft auch nach dem vollkommen natürlichen Räuber-Beute-Schema: Katze läuft weg und der Hund hinterher.

Erste Hilfe


Die Katze ist die Leidtragende in diesem Fall. Sie muss zunächst vor dem Hund "geschützt" werden, denn die meisten Katzen bleiben leider nicht stehen und wischen dem Hund eins mit ihren Krallen aus, sondern laufen weiter weg, bis sie einen geeigneten Platz gefunden haben.

Dass die Katze einen oder mehrere sichere Plätze hat, um sich vor dem Hund zurück zu ziehen ist sehr wichtig, damit sie nicht zu sehr unter Stress leiden muss. Machen sie ihr Plätze zugänglich, an die der Hund nicht gelangen kann. Dazu können gleichermaßen Höhlen und erhöhte Plätze gehören, wobei einer Katze beinahe immer ein erhöhter Platz lieber ist.

Das Katzenklo sowie Futter- und Trinknäpfe sollten ebenfalls sofort an einen Ort gestellt werden, wo die Katze ihre Ruhe hat. Eine Katze, die beim Fressen und beim Toilettengang angebellt oder anders bedrängt wird, leidet unter enormen Stress, was dazu führen kann, dass sie "Protest-Pinkelt".

Hast du einen besonders schlimmen Katzen-Jäger bei dir zu Hause, gehört zum Erste Hilfe Programm auch, den Hund anzuleinen, sodass du die bestmögliche Kontrolle hast.

Merke: Die Katze als "Opfer" der Situation hat absolutes Vorrecht. Der Hund muss SEIN Verhalten ändern und ist daher derjenige, der Rücksicht nehmen und Einbußen machen muss.

Die ranghohe Katze


Ein Haus mit ungestressten Tieren, die friedfertig miteinander umgehen, kannst du nur erreichen, wenn du der Katze die ranghöhere Position im Haus zugestehst (natürlich nicht ranghöher als du!). Der Hund muss einerseits wissen, dass sie zum Rudel gehört und andererseits, dass sie über ihm steht und er daher keine Befugnis hat, sie zu jagen oder auf eine andere Weise zu unterdrücken.

Hier ist eine Liste mit Tipps, mit deren Hilfe du erreichen kannst, dass dein Hund deine Katze als ranghöher begreift:
  • Füttere deine Katze immer vor dem Hund. Und gib ihm erst sein Futter,wenn sie zu Ende gefressen hat.
  • Wenn du Leckerchen gibst, bekommt die Katze ihre zuerst, ohne etwas leisten zu müssen. Der Hund bekommt wieder erst etwas, wenn sie fertig mit dem Fressen ist und muss zudem etwas dafür leisten ("Sitz", "Bleib", etc.).
  • Wenn du nachhause kommst und sich beide Tiere im Raum befinden, begrüßt du die Katze zuerst und ignorierst den Hund völlig, bis du der Katze Streicheleinheiten geliefert hast.
Damit dein Hund auch begreift, dass die Katze zum Rudel gehört, solltest du sie oft auf den Arm nehmen, streicheln, mit ihr reden. Der Hund begreift in der Regel sehr schnell, wer zur Familie gehört und wer nicht.


Den Katzen-Jäger genau beobachten


Deine genaue Beobachtungsgabe als Dosenöffner ist hier gefragt. Du musst deinen Hund genau im Visier haben und jede Äußerung seiner Körpersprache in dich aufnehmen, sodass du bestens weißt, was seine erste Reaktion ist, wenn er die Katze wittert, hört oder sieht.

Ein aufgerichtetes Fell kann ein Hinweiß sein, genauso eine leicht angezogene Lefze oder der fixierende Blick.

Glaube uns, nach einer Weile wirst du ein wahrer Experte für die Jagd-Körpersprache deines Hundes sein.

Wenn du nun weißt, welches "Zeichen" dein Hund versendet, bevor er zum Jagen übergeht, reagierst du ab sofort auf dieses Zeichen, indem du einen Ablenkungsreiz an deinen Hund richtest. Ein Ablenkungsreiz hat das Ziel, dass dein Hund aufhört, sich auf die Katze zu konzentrieren (und anfängt, sie zu jagen) und seine Aufmerksamkeit stattdessen auf etwas anderes richtet.

Clicker, Schepperdosen (mit Cent-Stücken gefüllte und zugeklebte Cola-Dosen), Trainings-Discs, ein Sprayhalsband etc. bieten wunderbare Ablenkungsreize.

Wichtig ist, dass dein Hund einen solchen Reiz nicht mit dir in Verbindung bringt. Daher raten wir dir, nicht gleichzeitig zu rufen und gegebenenfalls von einer Hilfsperson Gebrauch zu machen.

Nur die Ruhe


Du kannst nicht erwarten, dass ein Hund mit ausgeprägtem Jagd-Trieb (Terrier etc.) von einem Tag auf den anderen mit einer wunderbaren Beschäftigung wie dem Katzen-Jagen aufhören. Du musst konsequent sein und die ruhige, feste Hand haben, die gute Hunde-Erziehung fordert.

Nimm dir mindestens zwei Wochen Zeit für ein ausgeprägtes Training. Wenn du dann immer noch keine gute Wende bei deinem Hund spürst, solltest du einen Hunde-Trainer mit deinem Problem konsultieren.

Vermutlich werden deine beiden sie niemals so sehr lieben, wie unten abgebildetes Pärchen, aber ein friedvolles Haus sollte für jeden Haustierhalter zu erreichen sein!



Bild: CC 2.0 by photogramma1